- Sie wollen wissen, wer wir sind?
- Sie wollen wissen, warum wir uns gegründet haben?
- Sie wollen wissen, welche Ziele wir haben?
Wer sind wir?
Wir sind Eltern oder Angehörige von meist Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die illegalisierte Drogen konsumieren, wie zum Beispiel Cannabis, Heroin, Kokain, LSD usw. Darüber hinaus sind wir Mitglieder einer Selbsthilfeorganisation, die zwei Aspekte in den Vordergrund ihrer Tätigkeit stellt:
- Eltern-Selbsthilfe
- Öffentlichkeitsarbeit
Die Eltern-Selbsthilfe umfaßt die aufklärenden, beratenden und lösungsorientierten Angebote für betroffene Eltern und Angehörige. Das Ziel ist, Eltern und Angehörige zu befähigen:
- besser mit der familiären Drogenproblematik umzugehen,
- sich selbst zu stabilisieren und neuen Lebensmut zu finden,
- drogengebrauchenden Töchtern/Söhnen sinnvoll zu helfen und zu unterstützen, um die negativen Begleitumstände des Drogengebrauchs zu überwinden und
- das familiäre Beziehungsverhältnis positiv zu verbessern.
Die andere Säule umfasst den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Dabei stehen, Aufklärung und Information der Offentlichkeit zur derzeitigen Drogenpolitik und ihre Auswirkungen im Vordergrund. Durch öffentliche Aktionen machen wir auf Mängel und Defizite in der professionellen Drogenhilfe und -poitik aufmerksam. Wir wehren uns gegen die negativen Auswirkungen einer unrealistischen Drogenpolitik und setzen uns dafür ein, daß die Menschenwürde der Drogengebraucher auch in den Bereichen Drogenhilfe und Drogenpolitik nicht verletzt wird.
Als Eltern und Angehörige ist es uns ein Anliegen, dass die öffentliche, professionelle Drogenhilfe so ausgebaut und erweitert wird, dass die sozialen, medizinischen und therapeutischen Hilfsangebote für alle Drogengebraucher flächendeckend angeboten werden und ein Optimum an menschenwürdigen Überlebenschancen für Schwerstabhängige gewährleistet werden. Die Mitglieder unseres Landesverbandes fühlen sich daher verpflichtet auf die Defizite in der Drogenhilfe und Drogenpolitik hinzuweisen und sich dafür einzusetzen, dass vorhandene Missstände oder Mängel überwunden werden.
Wann und warum haben wir den Landesverband gegründet?
Die Gründung von Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen setzen stets eine geschichtliche Entwicklung innerhalb einer Gesellschaft voraus – so auch in unserem Fall.
Der erste Elternkreis entstand 1969 in Bonn als gegen Ende der 60iger Jahre junge Menschen in der BRD begannen, illegale Drogen zu konsumieren. Bevorzugt wurde der Konsum zunächst in bestimmten Kreisen, die der „APO-Bewegung“ und den sog. „Blumenkindern“ nahe standen.
In einigen Familien traten durch exzessives Konsumverhalten Schwierigkeiten mit den jungen Menschen auf, mit denen die Eltern nicht mehr fertig wurden. Sie erlebten ebenso wie ihre konsumierenden Töchter und Söhne Diskriminierung und Stigmatisierung im persönlichen Umfeld und in der Gesellschaft. Behörden und Fachleute gingen teilweise so weit, betroffene Eltern zu beschuldigen, dass sie am familiären Drogenproblem selbst Schuld seien und in der Erziehung ihrer Kinder versagt hätten.
Professionelle Hilfe für Eltern war in den Konzepten der wenigen ersten Drogenberatungsstellen, die zu der Zeit entstanden, nicht vorgesehen und die betroffenen Eltern griffen zur Selbsthilfe und gründeten zunächst, vorwiegend in den Großstädten, sogenannte Elternkreise. Unter gleichermaßen betroffenen Eltern konnte man sich über die eigene Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Angst - aber auch über die Wut und Resignation, wie auch über die auftretenden Selbstvorwürfe und Schuldgefühle aussprechen. Man war nicht mehr allein und sich selbst überlassen. Durch Aussprache und reden über die eigene Not, durch Information, Aufklärung und Diskussion lernten die Eltern, sich gegenseitig zu stützen und einander zu helfen. Je mehr sich das Drogenproblem in der BRD ausweitete, desto mehr Eltern gründeten Selbsthilfegruppen und 1972 kam es zur Gründung eines Bundesverbandes, dem „Bundesverband der Elternkreise drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher“, bekannt unter dem Begriff BVEK..
Der BVEK und seine Mitglieder unterstützte von Anfang an eine konservative Drogenpolitik und sie waren im Sinne der traditionellen Suchtkrankenhilfe dem „Abstinenzparadigma“ verpflichtet. Im Vordergrund stand die Maxime eines drogenfreien Lebens, dass ohne Widerspruch von den abhängigen Konsumenten erwartet wurde.
Die Erfolgsquote in den abstinenzorientierten Therapien für abhängige Drogenkonsumenten lagen in den ersten Jahren in der Regel unter 25 % und im Bereich der repressiven Maßnahmen (Inhaftierung entspr. BtmG) weit darunter, bei etwa 5 %.
Eltern und Elternkreise die dem zunehmenden Verelendungsprozess ihrer Töchter und Söhne, dem Anstieg der Drogentoten und einer inhumanen Drogenpolitik in den 80iger Jahren nicht mehr tatenlos zusehen wollten, schlossen sich 1993 in Hamburg zu einem anderen Bundesverband zusammen und unterstützten die inzwischen vielseitigen professionellen Bemühungen um eine „akzeptierende Drogenarbeit“.
Die Leitgedanken des „Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit e.V.“ gehen von folgenden Prämissen aus:
- Nicht jeder Drogenabhängige kann dauerhaft abstinent leben.
- Drogenhilfe muss sich an den individuellen Bedürfnissen und Lebensmöglichkeiten der Betroffenen orientieren.
- Neben der Abstinenztherapie müssen auch alternative lebensrettende und medizinische Formen und Methoden der Drogenhilfe bereitgestellt und flächendeckend angeboten werden.
- Im Sinne der Akzeptanz muss der Konsument illegaler Drogen ohne Schuldzuweisungen auf seinem Weg in die Drogenfreiheit oder Drogenmündigkeit (d.h. einem problemlosen Konsum) beraten, begleitet und unterstützt werden.
Der “Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V.” wurde 1994 in Bottrop gegründet und ist Mitglied des oben genannten Bundesverbandes für akzeptierende Drogenarbeit. Unsere Mitglieder (Einzelpersonen und Elternkreise in NRW) unterstützen die Sichtweise eines humanen Menschenbildes und setzen sich dafür ein, dass sich der akzeptanzorienierte Gedanke auch in der Drogenhilfe und Drogenpolitik stärker verankert, damit auch Drogengebraucher und Drogengebraucherinnen und deren Eltern und Angehörige als integrierte Mitglieder unserer Gesellschaft anerkannt werden.
Der Unterschied zwischen traditioneller Suchtkrankenhilfe und akzeptierender Drogenarbeit läßt sich folgendermaßen beschreiben:
Die traditionelle Suchtkrankenhilfe ist eindimensional, d.h. einseitig auf das Leben in Abstinenz ausgerichtet. Die Vertreter dieser Sichtweide beschwören in dogmatischer Weise, dass nur dauerhafte Abstinenz ein Leben in Drogenfreiheit garantiert. Mit dieser Einstellung werden viele Menschen, die es nicht schaffen, drogenfrei zu leben, aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Für Drogengebraucher bedeutet das im weitesten Sinn auch gesellschaftliche Stigmatisierung, Diskriminierung und letztendlich Kriminalisierung, weil sie praktisch gezwungen sind, sich auf illegalen Wegen Drogen zu beschaffen, die sie aufgrund ihrer Abhängigkeit brauchen. Die Ausgrenzung führt somit in soziale, seelische und gesundheitliche Verelendungsprozesse, die nur noch schwer zu überwinden sind und der Gesellschaft die Folgekosten aufbürden.
Im Gegensatz zur traditionellen Suchtkrankenhilfe, stützt sich die akzeptierende Sichtweise auf ein humanes Menschenbild. Im Vordergrund steht der Mensch mit seinen ganzheitlichen Lebensmöglichkeiten und Lebenschancen. Drogenkonsum und Abhängigkeit von Drogen sind entsprechend den situationsbedingten Lebensumständen zu beurteilen und zu bewerten. Die Priorität der sozialen und gesellschaftlichen Integration bestimmt deshalb auch die Angebote in der akzeptanzorientierten Drogenhilfe. Die Drogenpolitik ist leider immer noch in weiten Bereichen der legalistischen Tradition verhaftet und begünstigt dadurch vorprogrammiert den illegalen Drogenhandel, die Beschaffungskriminalität und Beschaffungsprostitution, die Ausweitung der damit verbundenen Verfolgungs- und Justizprozesse, einschließlich überfüllter Haftanstalten, deren inhaftierte Insassen zu fast über 50 % durch Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz einsitzen.
Im Zuge der weiteren Entwicklungen stand von Mitte bis Ende der 80iger Jahre die Substitutionsbehandlung abhängiger Drogengebraucher mit Polamidon bzw. Methadon im Mittelpunkt heftiger kontroverser Auseinandersetzungen zwischen Elternvertretern, wie auch zwischen Fachleuten und zwischen diversen Politikern. Die einen befürchteten eine Ausweitung des Drogenproblems auf mehr und jüngere Bevölkerungsschichten und sahen das Abstinenzdogma in Gefahr - die anderen sahen in der Substitution die Möglichkeit der Verhinderung der Verelendung abhängiger Konsumenten, den Rückgang der Drogentoten und eine Alternative zur Abstinenz, die nur ein Teil der Konsumenten durchhalten können.
Die kontroversen Einstellungen verhinderten für lange Zeit den Dialog über alternative und lebensrettende Hilfsangebote, zu denen auch die Vergabe von Originalsubstanzen gehörte.
Mit der Einrichtung von Konsumräumen, der Ausweitung niedrig schwelliger Hilfsangebote, methodischen Verbesserungen in den Therapien und dem Gesetz in 2009 zur „Heroinvergabe an Schwerstabhängige“ sind viele Hürden gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen überwunden worden – aber es gibt noch Defizite und Mängel, die durch eine zukünftige Drogenpolitik der Korrektur bedürfen.
Unsere zukünftigen Ziele
Der Landesverband und seine Mitglieder müssen sich, wie auch Professionelle und Politiker den immer wieder neuen Herausforderungen der Zeit stellen und nach akzeptablen und menschenwürdigen, humanen Lösungen suchen.
Neben den positiven Entwicklungen im Bereich ambulanter und stationärer Therapien, der Substitutionsbehandlungen, Heroinvergabe, Einrichtung von Konsumräumen, Fortschritten in der Aids- und Hepatitisbehandlungen als auch in den Hilfsangeboten im niedrig schwelligen Bereich, streben wir für die Zukunft folgende Ziele an, für deren Verwirklichung wir uns einsetzen wollen:
Ziele im Bereich Elternselbsthilfe über unsere Homepage
- Neues aus der Drogenhilfe und Drogenpolitik
- Informations- und Aufklärungsangebote für Eltern und Angehörige
- Empfehlungen zur Selbsthilfe und neuem Lebensmut
- Öffentlichkeitsarbeit zur akuten Lage in der Drogenhilfe und Drogenpolitik
Ziele im Bereich Drogenhilfe und Drogenpolitik
- Spritzenautomaten und Kondomvergabe in Haftanstalten
- Substitutionsbehandlungen in jeder Haftanstalt
- Flächendeckende Heroinvergabe für jeden der sie braucht
- Beschaffung von Wohnraum, Arbeit und/oder Ausbildung für abhängige bzw. straffällige Drogengebraucher zur sozialen Absicherung und Integration
- Entkriminalisierung drogengebrauchender Menschen
Mit unserer Internetseite wollen wir auf Landesebene dazu beitragen, dass betroffene Eltern, die noch nicht den Mut haben, sich einer örtlichen Selbsthilfegruppe anzuschließen, hier die notwendigen Informationen und Empfehlungen erhalten, die sie brauchen, um die vielfältigen Zusammenhänge einer Drogenproblematik besser zu verstehen und damit umgehen zu lernen.